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Nomadisches Zuhause

von

Goerge Gössel

Fortsetzung der künstlerische Zusammenarbeit von Uwe Gössel & Thomas Goerge.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste recherchieren sie gemeinsam

über lokale Geschichten und deren subkutanen Zusammenhänge.

{Prolog}

"Omnia mutantur, nihil interit."

Alles wandelt sich, nichts vergeht. 

(Publius Ovidius Naso)

{Kapitel 1}

Unsere ständige Konferenz

oder

Ich hab Dich immer angerufen.

Wir sprachen manchmal viele Stunden.

Unsere Ziele waren

1. unsere bisherigen künstlerische Wege vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse zu hinterfragen,

2. ein gemeinsames interdisziplinäres Projekt vorzudenken.

Seit über zehn Jahren stehen wir im engen Austausch über unsere Arbeit. Initialzündung war die Zusammenarbeit beim Theatertreffen / Berliner Festspiele 2011. Wir planten (Uwe Gössel als Leiter des Internationalen Forums und Thomas Goerge als Bühnenbildner der Arbeiten von Christoph Schlingensief), alle Materialien, die während des Theatertreffens bei den eingeladenen zehn Inszenierungen als sogenannter Abfall anfallen würden, zu sammeln. Aus den Überresten sollte eine neue, organisch wachsende Installation entstehen. Gemeinsam mit den Stipendiaten des Forums sollte so über die Zyklen von Produktionen, Ideen oder die Grundprinzipien des Lebens reflektiert werden. Diese Praxis konnte leider nicht realisiert werden. In regelmäßigen Treffen haben wir uns während des Corona-Lockdowns über die aktuellen Verhältnisse und über unsere künstlerischen Arbeitsweisen ausgetauscht. 

Herausgekommen sind folgende zwei Projektentwürfe.

Unter dem Titel „Boden. Treff. Leipzig. Die letzten 500 Millionen Jahre“ (TakePart, Antragsteller: Uwe Gössel) wird im Oktober 2021im Rohbau des zukünftigen Naturkundemuseums in Leipzig eine partizipative, interdisziplinäre Ausstellung und Performance entstehen.

Und unter dem Titel „75 Hektar Wiese (460 m.ü. N.N.)“ (TakeAktion, Antragsteller: Thomas Goerge & udei e.V.) entsteht im September 2021in Hallbergmoos ein interdisziplinäres Performance-Projekt im öffentlichen Landschaftsraum.

Beide Projekt-Skizzen wurden vorgestellt im Berliner Prater digital am 9.12.2020: 

https://pratergalerie.de/de/prater-digital/event/begegnung-in-digitalen-raeumen-mit-uwe-goessel-und-thomas-goerge/

 

Wichtige Grundlage für die gemeinsame Arbeit war das Mandat im Rahmen von TakeCare über mehrere Arbeiten hin reflektieren zu können. Denn häufig denken wir im Rahmen einer konkreten Arbeit und orientieren uns am Premieren-Termin. Hier war jedoch die offene Fragestellung und das gegenseitige vertrauensvolle Miteinander für ein grundsätzliches Nachdenken inspirierend. Politisches Ziel sollte daher sein: Mehr „TakeCare“-Förderungen über längere, vielleicht mehrjährige Phasen. Überwunden werden sollte das ständige Neubeantragen was zu einem hechelnden Hamsterrad-Zustand führt.

Kontakt: 

Uwe Gössel: kolonieraum@gmx.de

Thomas Goerge: ziegenfeige@thomasgoerge.de

{Kapitel 2}

Digitaler Prater

Begegnung in digitalen Räumen mit Uwe Gössel und Thomas Goerge; 09.12.2020, 12:00 Uhr

FREIHEITSGLOCKE Berlin
Digitaler Prater

Mitglieder des Beirats zur Zukunft des Praters treffen in den Räumen des Praters Digital Kolleg:innen und Freund:innen, mit denen zur Zeit keine physischen Begegnungen möglich sind. Das Gespräch zwischen Uwe Gössel und Thomas Goerge verknüpft inhaltliche Bezüge der Geschichte des Praters mit Blick

auf die (digitale) Zukunft. Was wird der digitale Raum leisten, was der analoge Raum nicht kann und umgekehrt (technisch, inhaltlich und ästhetisch)?

Eine partizipative, interdisziplinäre Geländeerkundung

von Thomas Goerge, Uwe Gössel, Niclas R. Middleton,

Mark Polscher, Annett Sawallisch, Bernhard Siegl und Brian Völkner

In Kooperation mit dem Naturkundemuseum Leipzig

Mit dem Projekt „Boden. Treff. Leipzig“ planen wir das unterirdische Gebäude des ehemaligen „Bowlingtreff“ am Wilhelm-Leuschner-Platz temporär und künstlerisch zum Leben zu erwecken. Es soll ein modellhaftes, experimentales, interdisziplinäres künstlerisches Programm entstehen, das im Wechselspiel mit Naturwissenschaftler*innen, Künstler*innen und Bürger*innen das Gebäude und seine Umgebung verhandelt. Mehr noch, Gegenstand soll auch der Boden sein, in dem es verborgen ist. Mit einbezogen werden die Menschen, die auf ihm gelebt haben, darauf leben und leben werden.

{Kapitel 4}

Ein interdisziplinäres Performance-Projekt im öffentlichen Landschaftsraum

von udei e.v. Kollektiv für KunstGeSchichten

mit Daniel Angermayr, Artisten des Circus Feraro, Felix von Bredow, Vladimir Genin und seinem Kammerorchester, Uwe Gössel, Karl Görmann-Schmitt, Michael Grimm, Frank Ramirez, Richard van Schoor, Allun Turner, Anja von Wins, Tobi Zettelmeier, dem Ensemble des udei e.V., der Ballettschule Hallbergmoos und kosmischen Akteuren wie Sonne, Mond und Sterne. 

Eine 48 h dauernde Zeitreise durch die Geschichte der Senderwiese von „Voice of Amerika“.

Eine künstlerisch partizipative Forschung durch geologische, gesellschaftliche und zukünftige Flözschichten

für Schafe und andere Menschen aus Hallbergmoos und allen übrigen Erdteilen.

75Ha Wiese {460 m ü. N.N.}

Das Projekt betrachtet die geologischen, ökologischen, historischen Verhältnissen der Wiese durch die Nase eines Merinoschafes, die Ohren eines Wollnashorns, das Riechorgan einer Sumpfdotterblume, die Tasthaare einer Pferdebremse und die Augen eines neolithischen Schamanen mit einer Brille von Karl Valentin auf der Nase. Die „Wiese“ ist eine Assemblage, eine Stilmischung aus Vorzeitsaga, Traumdeutung, wissenschaftlichem Diskurs, Psychothriller, bayerischem Science-Fiction-Roman und Freilichtoper.

Um den ökologisch Fußabdruck des Projekts möglichst klein zu halten, den sinnlichen Erfahrungsraum zu vergrößern und um den kosmischen Akteuren bis hin zu den Sternen eine Auftrittsmöglichkeit zu bieten, wird auf den Gebrauch von Elektrizität verzichtet.

„Sonne, Mond, Himmel und Erde- das ganze All- Tage und Monate verweilen nur als kurze Gäste ewiger Zeit.

Sie kommen und gehen sind stets auf Reisen. Nicht anderes ergeht es den Menschen.

Tagtäglich unterwegs machen sie das Reisen zu ihrem ständigen Aufenthalt.“ (Matsuo Busho)

{Biografien.}

Uwe Gössel ist freischaffender Theatermacher u. Dramaturg. Projekte u.a. in der clb-Galerie, Berlin, mit der Gruppe shifts („Feeding Back“/„RIM#2“), am Bauhaus Dessau („Festspiele 2019“, mit A. Schultze) oder am Nationaltheater Reykjavik (mit Thorleifur Arnarsson)

2006-2014 war er als Dramaturg Leiter des Internationalen Forums/Theatertreffen/Berliner Festspiele (2011Zusammenarbeit mit Th. Goerge), 2002-2004 Dramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin,

1999-2002 Schauspieldramaturg am Volkstheater Rostock. Seit 2005 Vorstand Dramaturgischen Gesellschaft.

Die Frage, auf welcher konkreten Grundlage wir unser Leben führen, war Gegenstand seiner audiovisuellen, performativen interdisziplinären Ausstellung „Bodenproben Berlin. Die letzten 10.000 Jahre“ (Künstlerische Leitung und Text: Uwe Gössel; clb-Galerie 2019 mit Wolfgang Menardi, Niclas Middleton, Mark Polscher und Bernhard Siegl).

Thomas Goerge ist freischaffender Künstler und Theatermacher. 

Er konzipierte Ausstattungen u.a. für Regisseure wie Dimiter Gotscheff, Christof Nel und Christoph Schlingensief. 

Mit seinen Arbeiten war er bei den Bregenzer und Bayreuther Festspielen, bei RUHR 2010, der Ruhrtriennale, dem Holland Festival Amsterdam, dem Theatertreffen Berlin und bei der 54. Biennale in Venedig vertreten. 

Es folgten Regiearbeiten u.a. an der Staatsoper Berlin, der Oper Halle und am Theater Trier. 

2017 gründete er zusammen mit der Kuratorin Sandra Dichtl den udei e.V. Kollektiv für KunstGeschichten in Hallbergmoos. 

Seit 2018 arbeitet er an dem von der Kultur Stiftung des Bundes co-finanzierten Musiktheater-Projektes „I like Africa und Africa likes me – I like Europe und Europe likes me“ an der Oper Halle und dem Theater Lübeck. 

Lehrtätigkeit: u.a. an der HMT Leipzig, der UdK Berlin. Seit 2015 ist er Dozent für Regie/Dramaturgie an der ADK Baden-Württemberg.

{Epilog}

„Ein Zen-Mönch soll wie die Wolken ohne festen Wohnsitz sein und wie das Wasser ohne feste Stütze.“ (Matsuo Busho)

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„Das Projekt wird gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“

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